Was ist Beratung, was ist Therapie? - Und ihre Abgrenzung voneinander

Was ist Beratung, was ist Therapie? - Und ihre Abgrenzung voneinander

Beratung:

Beratung ist ein Problemlösungsprozess zwischen einem Berater und einem Ratsuchenden. Es handelt sich dabei um einen methodisch gestalteten Kommunikations- und Interaktionsvorgang.

Dieser wird ausgelöst durch das Bedürfnis des Ratsuchenden, sich bei einem von ihm nicht selbst lösbaren Problem von einer fachkundigen und für diese Tätigkeit ausgebildeten Person im Sinne der „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützen zu lassen.

Beratung vollzieht sich in Form eines Gesprächs, was bei einer Therapie nicht immer der Fall sein muss, wie z.B. bei der Hypnosetherapie und körperorientierten Formen.

Die spezifischen Zielsetzungen der Beratung ergeben sich aus dem jeweils vorliegenden bzw. gesprächsweise zu erschließenden Problemzusammenhang, den Möglichkeiten des Beraters, den zur Verfügung stehenden Methoden, sowie der Beratungsfähigkeit des Ratsuchenden und seinen Chancen zu ihrer Realisierung.

Aus der Sicht der Beratungspraxis wird das anzustrebende Ziel häufig in aufeinander bezogene Teilziele zergliedert werden müssen, soll die Gesamtberatung überhaupt zu einem befriedigenden Abschluss kommen.

Man könnte den Beratungsvorgang als dynamischen, zwischenmenschlichen Prozess einer Zielannäherung beschreiben, die im allgemeinen folgende und in der Einzelberatung sich gegebenenfalls wiederholende Abschnitte enthält:

- Problemdefinition anhand der vom Ratsuchenden gewonnenen Informationen
- Bildung von Hypothesen zur Problemlösung
- Planung des beraterischen Vorgehens unter Festlegung vorläufiger Zielsetzungen;
- Gezielte Datenerhebung zu einer ersten Überprüfung der Annahmen (Testpsychol. Untersuchung, Exploration, Verhaltensbeobachtung,
- Verhaltensanalyse, Befragung anderer Personen..)
- Gemeinsames Durcharbeiten der Ergebnisse.
- Sichtung von Alternativen und Bestimmung des weiteren Vorgehens
- Überprüfung der Alternativen bzw. der bisher erarbeiteten Vorstellungen an der Realität (der Ratsuchende wird veranlasst, bestimmte Aufgaben durchzuführen)
und gesprächsweise Erörterung von Konsequenzen aus den Handlungsalternativen
- Herausarbeiten von Kriterien für eine Entscheidung
- Festlegung von Verhaltensmöglichkeiten für relevante Situationen  außerhalb der Beratung;
- Entscheidung für ein bestimmtes Vorgehen
- Realisierungshilfe
- Feedback, etc.

Die Grenze zwischen Beratung und Behandlung ist fließend. Im Einzelfall wird ein gut geführtes und vom Ratsuchenden angenommenes Beratungsgespräch therapeutische Wirkung haben.

In Abhebung zur Therapie ist Beratung auf aktuelle und mit geringem Zeitaufwand erreichbare Probleme eingegrenzt.

Die mit der Beratung anzustrebenden Ziele sind auf die Förderung der persönlichen Entwicklung und auf das Rollenverhalten gerichtet.

Die ratsuchenden Personen sind in der Regel nicht psychisch gestört oder krank.

Die Kommunikation mit dem Ratsuchenden beinhaltet meist kognitive Aspekte (Einsicht in die Problemzusammenhänge) und der zu behandelnde Sachverhalt ist relativ eindeutig umschrieben.

Ernstere Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen sind jedoch prinzipiell nur therapeutisch zu behandeln; hier endet die Kompetenz der Beratung.

 

Therapie: 

Die Psychotherapie ist ein Sammelbegriff für verschiedene Methoden der Heilung seelischer Störungen bzw. Krankheiten. Diese zahlreichen Methoden lassen sich einteilen nach ihrem Objekt, ihrem Ziel und nach ihren Mitteln.

Die Einteilung nach dem Objekt:
1. Direkte Psychotherapie, bei welcher der Kranke selbst behandelt wird. 2. Indirekte Psychotherapie, bei welcher die Angehörigen, unter denen der Kranke besonders leidet, behandelt werden.

Einteilung nach dem Objekt:
1. Symptomatische Therapie, bei welcher eine bloße Symptombeseitigung unter Umgehung der Ursachen angestrebt wird.
2. Kausale Psychotherapie, bei welcher eine Symptombeseitigung durch Aufdeckung und Aufhebung der Kausalfaktoren angestrebt wird.

Einteilung nach den Mitteln:
1. Suggestivmethoden, welche den zum Leiden führenden Konflikt zudecken und umgehen. Hierzu zählen:

a) Wachsuggestion;
b) Autosuggestion (Couè);
c) Hypnose;
d) Persuasion (Dubois)

2. Trainingsmethoden, welche durch körperliche Übungen eine seelische Gesundung und Willensfestigung anstreben. Hierzu zählen

a) Atmungstherapie;
b) Autogenes Training (Schultz);
c) Willenstraining (Oppenheim);
d) Arbeitstherapie.

3. Tiefenpsychologische Methoden, welche auf die Aufdeckung und Aufhebung des zum Leiden führenden Konflikts abzielen.
 
Hierzu zählen :
a) die hypnoanalytische Methode (Breuer´s kathartische Methode);
b) die psychoanalytische Methode (Freud);
c) die narkoanalytische Methode (Horsley);
d) die individuealpsychologische Methode (Adler);
e) die analytische Psychologie (Jung);
f) die psychagogische Methode;
g) die Methode der Logotherapie (Frankl).

Einteilung nach dem therapeutischen Arrangement (=setting):
a) Einzelpsychotherapie
b) Paarpsychoherapie
c) Gruppenpsychotherapie
d) Familienpsychotherapie
 

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