Fanatiker
Das Wort Fanatiker stammt vom lateinischen „fanaticus“ ab, was soviel wie „verrückt“ oder „von einer Gottheit inspiriert“ bedeutet. Eigentlich zum Kult und zum Heiligtum gehörig. Das Grundwort „fanum“ heißt „Tempel“, also ein gottgeweihter Ort.
Fanatisch stand anfangs für religiös, schwärmerisch, auch ketzerisch. Es geht also um einen begeisterten, überschwänglichen, religiösen Eiferer.
Erst im 18.Jhdt. löste sich der Begriff vom religiösen zum allgemeinen Sprachgebrauch und wurde dann generell im Sinne eines unduldsamen, schwärmerischen Vertreters einer Idee verwendet.
Der springende Unterschied zwischen großer, auch euphorischer Begeisterung und Fanatismus besteht darin, dass der Fanatiker unkontrolliert verbohrt, besessen, kompromisslos, blindgläubig und unabbringbar verbissen von einer Idee ist. Er wägt nicht mehr vernünftig und verhältnismäßig seinen energetischen Einsatz mit dem Wert oder Unwert einer Sache, für die er eintritt ab, sondern will sie auf Gedeih und Verderb, total und absolutistisch, rücksichtslos durchsetzen.
Dabei sind ihm die eventuellen negativen Folgen, auch das Leben anderer, gleichgültig, ja selbst sein Leben setzt er dafür leichtfüßig aufs Spiel, wenn es sein muss. Es ist der absolutistische, auch gegen sich rücksichtslose Einsatz mit allen Mitteln für eine Zielerreichung, die den Fanatiker ausmachen. Folgen und Verhältnismäßigkeit bleiben unberücksichtigt. Es geht u.U. um Sein oder Nichtsein, um Leben oder Tod – auch für andere.
Aus psychoanalytischer und psychotherapeutischer Sicht spricht man von einer Fixierung aufgrund einer massiven sog. narzistischen Kränkung durch die alle vitalen Energien bedingungslos und unreflektiert aktiviert werden. Die narzistische Kränkung kennt keine Versöhnung, kein Verzeihen, keine Toleranz, sie kennt nur Rache, absolute, rücksichtslose Durchsetzung für Selbsterleben in machtvoller Omnipotenz, die so sträflich verletzt, gedemütigt und respektlos vernichtet wurde.
Denken Sie beispielsweise an den lebensgefährlichen, religiösen oder auch politischen Fanatismus diverser Fundamentalisten.
Zur Verstärkung in Ideologie und Macht/Gewalt dient den Fanatikern die Gruppenbildung. Sie forcieren durch Multiplikation aus der affin defizitären Gruppe auch die Genugtuung und das Selbstwertgefühl, was dadurch vermeintlich kompensiert wird. Dieses dort vertretene Wir-Gefühl wird u.U. zum multiplizierten, gefährlichen Aggressionspotential u.U. in revolutionärer Staatsdimension.
Wir finden Fanatiker im kleinen, familiären Rahmen aber auch tragischerweise unter Kirchenführern, Sektenführern, Ideologen und politischen Diktatoren, jetzt und aus der Vergangenheit. Allen liegt das gleiche psychische Drama zugrunde, wie oben beschrieben.
Fanatiker sind gefährliche Geisteskranke, deren Störungsfolgen oft Generationen von Menschen leiden müssen.