Denken

Das Wort Denken hat eine indogerm. Wurzel und heißt soviel wie empfinden. Im altlat. tongere bedeutet es soviel wie kennen, wissen.

Sowohl empfinden, als auch kennen oder wissen sind für mich statische Seelenkategorien, keine dynamischen Vorgänge wie das Denken. Insofern trifft diese Wortherleitung für das Denken für mich nicht zu.

Denken ist, neben Bewusstsein und Wollen, eine naturgegebene, kreative, geistige Funktion der Seele, im Dienste des Lebens und Überlebens. Dafür haben wir die Denkfähigkeit.

Diese geistige Qualität des Denkens, die viele nur dem Menschen zuschreiben, was ich nicht vertrete, entwickelt sich beim Kind in mehreren Stufen die Piaget folgendermaßen kategorisiert: Die sensomotorische Stufe bis zum 2.Lj, die Stufe des anschaulichen Denkens so bis zum 7. Lj.,die Stufe des konkreten Denkens bis zum 12.L.j. und die Stufe des abstrakten Denkens.   

Ich kenne auch noch eine andere Einteilung: primär das magische Denken, das prälogische Denken und das logische Denken.

Die Denkentwicklung ist also ein geistiger Prozess der Abnabelung und Anpassung einer Wesenheit die von der geistigen Welt kommt und sich sukzessive an die irdischen Überlebensnotwendigkeiten anpassen muss. Bis zur Entwicklung des logischen und abstrakten Denkens ist das Kind durch seinen Rapport mit dem Jenseits in seinem Verhalten auffällig mit Magischem verbunden. Auch irdische Gegenstände werden beseelt wahrgenommen und so kommuniziert. Z.b. das Kind spricht mit dem Ofen als wäre er ein Partner.

Diese kosmische Nabelschnur wird ihm aber durch die rationale Sozietät, vorzugsweise den Eltern, kategorisch durchtrennt, obwohl sie für die Lebensorientierung des Kindes wertvoll ist. Man könnte sagen, es findet eine spirituelle Degeneration statt, die später durch mühsame Vitalisierung der Zirbeldrüse als Verbindungsorgan zur kosmischen Dimension mittels geistiger Übungen und mehr, erst wieder nützlich gemacht werden kann. Eine aufwendige Renaturierung aberzogener Denkqualität.

Das logisch-rationale, deduktive Denken vergleiche ich mit dem Knochenbau des Menschen, das kreative, intuitive oder auch magische Denken mit dem Fleisch. Beides Formen zusammen machen die geistige Denkqualität des Menschen für seine unterschiedlichen Anwendungen und Herausforderungen aus.

Alles Materielle ist Folge der Gedanken. Das ist der sogenannte Anfang von allem Seienden. Am Anfang war also nicht das Wort, sondern der Gedanke, die Idee, wobei die Idee selbst Leben ist.

Und das ist ewig, ohne Anfang und Ende. Die Schöpfung ist also nicht der Anfang von allem Seienden, sondern nur der Anfang von weiteren Kreationen oder Manifestationen des Seienden durch das Denken.

Das Denken als Geistqualität formt die Materie

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